Erste Eindrücke

Endlich habe ich es geschafft, in ein Internetcafé zu kommen und kann jetzt ein bisschen berichten, wie es mir geht. Ich weiß gar nicht womit ich anfangen soll. Es ist alles so anders hier und doch so normal. Ich könnte so vieles schreiben und trotzdem könnte ich nicht deutlich machen, was ich hier alles erlebe. Ich werde einfach einige meiner Erlebnisse erzählen und hoffe, dass allen Lesern bewusst ist, dass es sich dabei um eine vorläufige und subjektive Wahrnehmung handelt und keinesfalls um ein authentisches Bild von Togo und seinen Bewohnern. Um das einschätzen zu können, bin ich erst viel zu kurz hier.

Meine erste Woche in Togo habe ich in der Hauptstadt Lomé verbracht. Ich bin sehr froh, dass ich dort nicht allein war, sondern mich an zwei ehemalige Freiwillige und einen togolesischen Mentor halten konnte. Ich habe schon einige Tage gebraucht, um mich erst einmal an den Verkehr und die Fortbewegung zu gewöhnen. Es gibt in Lomé einige asphaltierte Straßen, aber sobald man aus dem Zentrum raus und von der Hauptstraße runter kommt, gibt es nur noch Straßen aus festgetretener roter Erde. Da gerade Regenzeit ist, wurde es auf diesen Wegen ziemlich schlammig und man musste danach erst einmal samt Schuhen duschen. Aber auch auf den großen Straßen ist das Fortbewegen abenteuerlich. Es gibt Taxis, die Leute vom Straßenrand einladen, egal ob noch Platz ist oder nicht. Und es gibt sehr viele Motorräder, die wie Taxis funktionieren. Vor dem Aufsteigen wird der Preis verhandelt und dann geht die Fahrt los. Das kann für Europäer ganz schön chaotisch aussehen, da es keine Straßenschilder und nur wenige Ampeln gibt, von denen noch weniger beachtet werden. Wer am schnellsten ist oder wer am lautesten hupt hat Vorfahrt. Erstaunlicherweise funktioniert das ziemlich gut. Ich habe bis jetzt keinen Unfall gesehen und habe mich hinten auf den Motorrädern eigentlich immer sicher gefühlt. An den Straßenrändern wird alles möglich verkauft, wie Essen, Schuhe Autoreifen, Sofas, … Es ist wirklich spannend, das ganze Essen auszuprobieren. Ich habe schon eine Kokosnuss ausgeschlürft, an einer Stange Zuckerrohr geknabbert und alles Mögliche andere gegessen, wovon ich den Namen schon wieder vergessen hab.

Selbst für die Menschen in der Hauptstadt ist es noch ungewöhnlich, einen Weißen zu sehen. Die Kinder freuen sich fast immer. Sie springen hin und her und rufen: „Yovo, yovo, bonsoir“ (Weißer, Weißer, guten Abend). Wenn man dann aber näher kommt, wird es den meisten unheimlich und sie laufen weg. Einmal wurde ich gefragt, ob ich eine Chinesin bin. Die Kinder sehen einfach nur, dass ich anders aussehe als sie und finden das lustig. Man muss sich aber erst einmal daran gewöhnen, immer sofort aufzufallen, egal wo man ist. Das Positive daran ist, dass man von vielen angesprochen wird und schnell ins Gespräch kommt.

Mir ist auch noch aufgefallen, dass alle Menschen hier unglaublich hilfsbereit sind. Sobald ich auch nur ein kleines Problem habe, kommen von allen Seiten Leute, die mir helfen wollen. Und das ist nicht nur so, weil ich ein weißes Mädchen bin. Es ist wirklich so, dass jeder entfernte Bekannte sofort zur Stelle ist, sobald er helfen kann. Eine junge Frau hat mir dazu erklärt: „Wenn man zu allen Menschen freundlich sein kann, warum sollte man es dann nicht tun?“

Vor ungefähr anderthalb Woche bin ich dann in Solla angekommen, dem Ort, an dem ich ab jetzt ein Jahr verbringen werde. Es ist ein ziemlich langgezogenes Dorf mit ca. 2000 Einwohnern. Zwischen den Häusern sind aber immer wieder große Mais- und Jamsfelder, sodass nur im Zentrum die Häuser dicht beieinander stehen. Auf den Straßen und am Straßenrand sieht man viele Kinder, Hühner und Ziegen. Es fahren sehr wenige Autos. Wenn man aus dem Dorf aus muss, fährt man mit den Motorrad. In der Mitte des Dorfes ist der große Marktplatz, auf dem jeden Dienstag alles Mögliche verkauft wird, vor allem Essen und Kleidung. Es ist noch einmal ganz anders als Lomé und ich bin sehr froh darüber, in einem Dorf zu leben. Schon als ich ankam, wurde ich von vielen Leuten empfangen, die sich alle gefreut haben, dass ich komme. Da ich gleich am nächsten Tag in der Kirche vorgestellt wurde, kennen mich schon viele Leute. Wenn ich durch die Straßen laufe, ruft immer irgendwer von der Seite meinen Namen und fragt, wie es mir geht. Oft kenne ich die Personen selbst noch nicht und sie freuen sich, dass sie sich endlich persönlich bei mir vorstellen können. Auch sonst ist es hier einfach für mich, Menschen zu treffen und mit ihnen zu reden. Ich wohne in einer Pfarrei und den ganzen Tag über sind Leute da, mit denen ich etwas unternehmen kann. Ich werde überall herumgeführt und von allen immer wieder eingeladen, ihr Haus und ihre Familie kennenzulernen.

Nach Solla führt keine befestigte Straße, es ist nicht an das Stromnetz angeschlossen und das Wasser fließt nur manchmal und auch nicht für alle. Die Menschen sind es so gewöhnt, aber die Jüngeren sehen das als großes Problem, das den Fortschritt im Dorf verhindert. Ich lerne den deutschen Luxus zu schätzen und merke aber gleichzeitig auch, dass man auch gut ohne Strom und Internet leben kann.

Es ist nicht einfach, in einem kleinen Dorf in einem anderen Land mit gleich mehreren fremden Sprachen seinen Platz zu finden. Im Moment bin ich noch dabei, alles kennenzulernen, mir die ganzen Namen zu merken und die Familienverhältnisse zu verstehen. Ich habe auch schon angefangen, die lokale Sprache Solla zu lernen, was aber ziemlich schwierig ist. Außerdem werden hier auch noch mindestens zwei andere Sprachen gesprochen, weil sich die Ethnien mit der Zeit gemischt haben. Zum Glück können alle mindestens ein bisschen Französisch sprechen.

Ich freue mich schon darauf, mit der Arbeit in der Schule anzufangen und mit meinen eigenen Projekten zu beginnen. Es ist nur noch nicht ganz klar, wann das sein wird, weil die Lehrer in ganz Togo streiken. Außerdem hat das lycée (Schule für die drei letzten Jahre vor dem Abi) hier in Solla nur ein Dach aus trockenen Palmblättern und es kann nur unterrichtet werden, wenn die Regenzeit vorbei ist. Regenzeit heißt, dass es ab und zu regnet, also ein- bis zweimal am Tag und das richtig stark. Die Togolesen frieren nach den Regenschauern immer, ich freue mich über die Abkühlung.

Es geht mir also sehr gut und ich freue mich auf das, was noch auf mich zukomen wird.

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6 Gedanken zu „Erste Eindrücke

  1. Liebe Luise,
    mit großem Interesse und auch ein bisschen amüsiert habe ich von deinen ersten Eindrücken und Erlebnissen gelesen, vor allem aber, dass es dir mit allem und allen gut geht.
    Auch das gute Wort der Frau über die Freundlichkeit hat mir gefallen.
    Geschmunzelt habe ich ja, dass man dich für eine Chinesin gehalten hat, ich kann es aber auch nachvollziehen, schließlich können diese Kinder sich nicht so auskennen.
    Das muss ein tolles Gefühl sein, wenn man sich so willkommen, gefragt und gebraucht fühlen kann.
    Was soll das erst werden, wenn du alle in der Schule mit deinen Projekten begeisterst?
    Das wünsche ich dir also nun, dass die Schule los geht und dass dir die Arbeit mit den Kindern gelingt.
    Dann interessiert mich noch was. Ich komme darauf, weil du ja in einer Pfarrei wohnst.
    Wie verlaufen die Gottesdienste? Es wird sicher viel gesungen? Und ich nehme an, die Konfession ist katholisch. Oder?

    Erst gestern haben wir in meinem Deutsch-Kurs einen Text vom Reisen gelesen. (Woanders ist man ein anderer) Es ging darum, dass Reisen verwandele und man mehr über sich erfahre, sich aber nicht verliere. Da habe ich auch an deine Zeilen gedacht, wie fremd dir alles ist und wie gut es dir doch geht.

    Bon courage, alors.
    A. Hoffmann

  2. Liebe Lu,
    schön dass es dir soweit gefällt. Es klingt schon ziemlich spannend, was du bisher so erlebst und so ein bissel neidisch wird man da schon wenn man selbst in der Schule sitzt.
    Fehlender Strom ist sicherlich ganz gut zu verkraften, aber ohne fließendes Wasser, das stelle ich mir schon ziemlich schwierig vor, vor allem in der Regenzeit.
    Ich hoffe, dass du auch mal Bilder hochladen kannst, da bin ich total gespannt drauf.
    Wenn dir irgendetwas fehlt oder du Bedürfnisse nach deutscher Schokolade oder Ähnlichem hast dann sag Bescheid, ich weiß ja nicht wie lange die Post braucht =).
    Genieße das Leben inmitten einer unbekannten Welt, LG Elli

  3. Hallo Luise! 🙂
    Ich habe den Beitrag gelesen und wirklich mehrmals über deinen Mut gestaunt! Ich glaube nicht, dass ich mir so eine außergewöhnliche Reise zutrauen würde, obwohl ich mir deine Erlebnisse auch sehr spannend vorstelle!
    Ich freue mich, dass die Menschen in Togo so offen und hilfsbereit zu dir sind! 🙂

    Also alle Achtung! 😉
    Josi G.

  4. Liebe Luise,

    schön was von dir zu lesen. Ja, an die afrikanischen „Straßen“ können wir uns noch ganz gut erinnern. Ist schon abenteuerlich und wir können uns das dank deiner bildlichen Beschreibung gut vorstellen.

    Stell bei Gelegenheit bitte mal ein paar Fotos von deinem Dorf ein – wir sind neugierig.

    Wenn du Hilfe als Lehrer brauchst, melde dich einfach.

    Sei lieb gegrüßt und bis bald
    Ines und Michael

  5. Liebe Luise,

    ich wünsche Dir einen spannenden und hilfreichen Aufenthalt in Togo! Schon dein erster Bericht zeigt, wie du mit allen Sinnen den Alltag um dich herum aufnimmst. Jetzt bist du sicher bereits in der Schule. Ich wünsche dir, dass der Kontakt zu den Menschen so freundlich und einladend bleibt.
    Herzliche Grüße
    Eva-Maria Stange

  6. Liebe Luise,
    schön von dir zu hören. Du schreibst sehr anschaulich und so können wir gut an deinen Gedanken und Erlebnissen teilhaben. Dank vieler Fotos und interessanter Gespräche mit deinen Eltern konnten wir viel Spannendes über deine Zeit in Sola erfahren. Wir glauben, dass du Freude an deiner Arbeit hast, viele Erfahrungen sammelst und dass es dir gut geht!!
    Hier ist der Frühling in vollem Gange. Die Temperaturen schwanken zwischen 2 und 20°C, die Obstbäume im Garten blühen und die Vögel wecken uns jeden Morgen mit ihrem Gezwitscher. Überall grünt und blüht es. Am Donnerstag werden wir ein Feuer im Garten machen. Wir brennen aber nicht unsere Felder ab. Wie geht es Josefine und der Bäckerei? Wie war deine letzte Reise?
    Wir warten gespannt auf deine Berichte und wünschen dir eine ereignisreiche Zeit.
    Ganz liebe Grüße aus Dresden von Ines und Michael

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