Mein Weihnachten und Silvester in Solla

Weihnachten begann für mich dieses Jahr am 20. Dezember. An diesem Tag habe ich gemeinsam mit dem Sportlehrer ein Weihnachts-Fußballturnier organisiert. Acht Orte aus zwei Kantons haben Mannschaften gebildet und sind gegeneinander angetreten. Der Sinn des Turniers war es, vor Weihnachten einmal alle zu versammeln um die Feiertage einzuleiten. Ich habe mich dafür eingesetzt, dass auch zwei Mädchenmannschaften gebildet werden, da die Mädchen bis jetzt immer vergessen wurden. So haben die Mädchen der Mittelschule gegen die des Gymnasiums gespielt und es war ein voller Erfolg. Da es im Gymnasium nicht genug Mädchen gibt, konnte ich sogar mitspielen. Auch wenn die Mannschaft von Solla nicht wie erwartet gewonnen hat, war es ein gelungener Tag und ich denke, es hat auch etwas zum Gemeinschaftsgefühl der Region beigetragen.

Auch in Togo ist bis zum 24. Dezember Weihnachtsvorbereitung angesagt. Alle, die sonst woanders arbeiten oder zur Schule gehen kommen zurück ins Dorf. Es wird jede Menge Essen gekocht und alles wird geschmückt. Außerdem haben sich alle, die es sich leisten können, Kleider und Anzüge schneidern lassen. Da ich in der Pfarrei wohne, habe ich viel in der Kirche geschmückt und vorbereitet. 20 Uhr begann die Messe. Eigentlich hatte ich mit einigen Kindern ein Krippenspiel vorbereitet, aber da der ganze Tag ein einziges Chaos war, haben wir es nicht geschafft, uns vorher noch einmal alle zu versammeln und so konnten wir es leider nicht aufführen. Die weihnachtliche Messe war noch ausgelassener und fröhlicher, als sonst. Das Blasorchester hat gespielt, die Trommler haben getrommelt und alle haben gesungen und getanzt. Nach der Messe ging das Fest draußen vor der Kirche weiter. Bis nach Mitternacht haben wir getanzt, bis alle hundemüde ins Bett gefallen sind. Das richtige Weihnachtsfest ist aber am 25. Dezember. Ich habe mich, mit genügend Bonbons beladen, auf den Weg durchs Dorf gemacht. Es war schön zu sehen, wie fröhlich alle an diesem Tag waren. Das eigentliche Fest in Togo ist jedoch das Essen. In jedem Haus wurden einige Hühner geschlachtet, Reis gekocht und Tchuk-Bier gebraut. Einige Personen mussten immer zu Hause bleiben, um die Gäste zu bewirten und die anderen sind von Haus zu Haus gezogen, um überall ein bisschen zu quatschen, zu essen und ihre Freude zu teilen. Nach einiger Zeit wurden die zu Hause gebliebenen abgelöst und nun konnten sie rumziehen. Das schöne ist, dass man keine Einladung braucht, um jemanden zu besuchen. Man kann einfach in seinen Hof reinspazieren und derjenige freut sich, dass man gekommen ist. Alle sind einfach nur stolz, wenn möglichst viele Menschen bei ihnen etwas gegessen und getrunken haben. Es ist Ehrensache, alle Freunde und Bekannte an zu besuchen. Ich habe an diesem Tag siebenmal Mittag gegessen, danach konnte ich einfach nicht weiteressen, auch wenn ich dazu aufgefordert wurde. Abends wurde dann die minikleine Dorfdisko geöffnet und alle Jugendlichen kommen noch einmal zusammen um zu tanzen. So geht es weiter bis Silvester, jeder Tag ist ein Fest. Am 31. Dezember gibt es wieder eine große Festmesse. Die Religion ist hier so wichtig, dass das neue Jahr auf jeden Fall in der Kirche begrüßt werden muss. Pünktlich zu Mitternacht wurden die Glocken geläutet und es gab sogar ein kleines Feuerwerk. Das neue Jahr wurde singend und tanzend begonnen. Danach sind alle damit beschäftigt, ihre Neujahrswünsche zu überbringen.

Der reichste Mann aus Solla kommt jedes Neujahr in sein Heimatdorf und lädt alle in sein riesiges Haus ein. Dort bewirtet er alle und es gibt Tanzvorführungen und viel Musik. Auch wenn das sehr großzügig ist, hatte ich dabei ein mulmiges Gefühl. Der Mann ist Millionär, aber in seinem Dorf gibt es keinen Strom und die Menschen haben nicht genug Geld, um ihre Kinder in die Schule zu schicken. Einmal im Jahr schmeißt er eine Riesenparty und verschwendet so sein Geld, ohne dass er irgendetwas zur Entwicklung seines Heimatdorfes beiträgt. Die positive Seite ist jedoch, dass keiner sagen kann, er habe am 1. Januar nicht ordentlich gefeiert.

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Ein Gedanke zu „Mein Weihnachten und Silvester in Solla

  1. Na, das sind ja wieder gute Nachrichten. Stimmungsvolle Messen, tanzen, singen, Fußball spielen, essen, trinken, Begegnungen „anstiften“-und mittendrin Luise. C’est fa-bu-leux!
    Nun musst du es nur noch schaffen, dass der Millionär Fußball spielt. Und wenn seine Mannschaft verliert, muss er das Dorf elektrifizieren. Natürlich schießt du in der letzten Minute das entscheidende Tor für Solla und darfst dir etwas wünschen. Schulgeld für alle.
    Bon courage.
    Alfred Hoffmann

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